Die DDR, der andere deutsche Staat

“Wenn ihr wissen wollt, wie der Weg vorwärts geht, dann lest Goethes >Faust< und Marx' >Kommunistisches Manifest<. Dann wisst ihr, wie es weiter geht." (Walter Ulbricht auf einer Tagung des Nationalrates der Nationalen Front 1958)

Darüber hinaus proklamiert Ulbricht in seiner Rede, dass der dritte Teil des >Faust< noch fehle, aber dass “die Werktätigen der Deutschen Demokratischen Republik damit begonnen [haben], diesen dritten Teil [...] mit ihrer Arbeit, mit ihrem Kampf für Frieden und Sozialismus zu schreiben.” Mit dieser programmatischen Formulierung zeigt Walter Ulbricht, wie das klassische deutsche Erbe politisch als kulturstiftendes Element bei der Erziehung eines “neuen Menschen” im Sozialismus genutzt werden sollte.

Ein weiteres Erbe war die gemeinsame nationalsozialistische Geschichte. Die SED, mit ihrer Gründung im April 1946 weitgehend unter der Kontrolle der Sowjetunion, bezog sich in ihrem Gründungsmythos auf den Antifaschismus bzw. auf die Befreiung vom Faschismus. Neben der Befreiung durch die Rote Armee wurde der kommunistische Widerstand eine der tragenden Säulen des Selbstverständnisses der späteren DDR. Der Sieg der Nationalsozialisten 1933 als größte Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung musste in einen Sieg umgedeutet werden. Die Opfer des Terrors wurden zu Helden, die ihr Leben für eine sozialistische Zukunft geopfert hatten. Der “verordnete” Antifaschismus blieb bis zum Ende der DDR fest in der politischen Staatskultur verankert.

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